Arbeitsstelle für evangelische Religionspädagogik Ostfriesland

 Moschee Emden 01
 Moschee Emden 01
Zu Gast in der Eyüp-Sultan-Moschee Emden – ein außerschulischer Lernort
 
„Genauso wie im Unterrichtsbuch!“ So entfuhr es einer Lehrerin, die an unserem Seminar „Besuch in der Emder Moschee“ teilnahm. Und tatsächlich, bis auf das Minarett war alles so vorhanden, wie wir es in unserem Religionsbuch stehen haben: im Flur werden die Schuhe ausgezogen und in das Regal gestellt, rechts geht es zu den Waschräumen, der Gebetsraum ist mit Teppichboden ausgelegt und auf die Gebetsnische hin orientiert, links von der Gebetsnische der Lehrstuhl (Kursi) und rechts die Kanzel für die Predigt beim Freitagsgebet (Minbar), die Wandflächen mit schön gemusterten Kacheln gestaltet. Ein Vorhang teilt den Gebetsraum in den größeren, vorderen Bereich für die Männer und den kleineren, hinteren Bereich für die Frauen.
 
Von außen vermutet man diese farbenfroh eingerichteten Räumlichkeiten nicht unbedingt. Das Gebäude der ersten Moschee Ostfrieslands wirkt von außen eher schlicht. Früher befand sich in dem einstöckigen Gebäude eine Bahnhofsgaststätte, bis die Türkisch-Islamische Gemeinde zu Emden e.V. das Gebäude erwarb und in Eigenleistung und mit Spendenmitteln umbaute und einrichtete. Die Gemeinde gehört zur Türkisch-Islamischen Union (DITIB) und hat etwa 90 Mitglieder. An den Gebeten nehmen aber auch viele Gäste teil.
 
Herr Muhammet Yilmaz, der Imam der Gemeinde führte gemeinsam mit einem Abiturienten aus seiner Gemeinde unsere Gruppe in die Moschee und erläuterte dabei die Glaubenslehre und Glaubenspraxis der Muslime und gab Einblicke in das Gemeindeleben. Seine Gemeinde ist offen für Besuchergruppen und hat auch Kontakte zu den Emder Kirchengemeinden, mit denen Begegnungstreffen und gegenseitige Besuche stattfinden. Wir wurden als Besuchergruppe sehr freundlich aufgenommen und wurden eingeladen, gern einmal mit Schulklassen und anderen Gruppen wiederzukommen.
 
Beim anschließenden Nachgespräch äußerten viele Teilnehmerinnen, dass es eine gute Erfahrung war, nicht nur über den Islam zu reden, sondern eine Gemeinde mit ihrer Moschee und ihrem Imam vor Ort kennenzulernen und mit einander ins Gespräch zu kommen. Gewünscht wurde, Themen der islamischen Glaubenslehre und Glaubenspraxis intensiver mit einem islamischen Theologen oder einer islamischen Theologin im Rahmen eines Studientages zu erarbeiten.
 
Kontaktadresse:
Eyüp-Sultan-Moschee
Imam: Herr Muhammet Yilmaz
Bahnhofsplatz 13
26721 Emden
Tel.: 04921 - 58 65 46
 
 

Austauschwoche in London für Religionslehrer/innen

 

Austauschwoche in London für Religionslehrer/innen

Im April 2016 machte sich eine kleine Gruppe von Ostfriesland aus auf den Weg nach London. Vorausgegangen war ein Austauschbesuch von Religionslehrerinnen aus London in Ostfriesland. Bei unserem Gegenbesuch konnten wir in fünf Tagen fünf Schulen und Bildungseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft kennenlernen.
 
In der All Saints Black Heath Primary School lernten wir eine Primary School (Klasse 1 – 6 mit Vorschule), in der viel Wert auf ein persönliches Miteinander gelegt wird. Dazu tragen auch die täglichen Andachten bei, die an verschiedenen Wochentagen in der benachbarten Kirche, im Versammlungsraum der Schule und in den Klassenzimmern gefeiert wurden. 
 
Die St. Mary Magdalene Primary School muss mehreren Hundert Schülerinnen und Schülern auf engstem Raum eine gute Schule bieten. Darum wurde sie in die Höhe gebaut. Spiel- und Sportplätze sowie der Schulhof finden sich auf den Dachterrassen.
 
 In der Archbishop Tenison‘s School (Secondary School, ab Klasse 7) bilden auch der Religionsunterricht und Andachten einen Schwerpunkt. Es gibt sogar eigene Fachräume für die ‚Religious Studies‘. Der Religionsunterricht thematisiert intensiv die Weltreligionen. Und diese Weltreligionen finden sich auch in den Klassenzimmern, denn auch die Church of England – Schools sind offen für Schüler/innen und Lehrer/innen unterschiedlicher und auch ohne Religion. Die Vermittlung religiöser Bildung trägt bei zu einem toleranten und respektvollen Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen in London.
 
In der Christ Church Primary School Surbiton konnten wir den 90. Geburtstag der Queen ein bisschen mitfeiern und lernten sehr kreative Unterrichtsformen kennen. Im Gespräch mit deutschen Müttern, die mit ihren Familien aus beruflichen Gründen vor etlichen Jahren nach London gezogen waren, diskutierten wir die Besonderheiten des englischen Schulsystems, das in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert hat, aber auch stark an Erfolg und Belohnung orientiert ist. Nebenbei: beide Mütter versicherten, dass die Schulkleidung eine enorme Erleichterung für alle Beteiligten ist.
 
Die Church of England lädt in der St. Paul’s Cathedral Schulen, Kindergärten, Kirchengemeinden, Familien und andere Interessierte zu einem eigenen Veranstaltungsprogramm mit vielen kreativen Elementen ein. So werden in einem der Londoner Wahrzeichen ‚Fährtensuchen‘, kreative Kirchenerkundungen, thematische Seminare, Feste und besondere Aktionen durchgeführt, mit denen viele Menschen erreicht werden.
 Bei unserer Reflektion fiel uns u.a. auf, welche hohe Wertigkeit des Fach ‚Religious Education‘/ ‚Religious Studies‘ hat (eigene Fachräume), wie stark das religiöse Leben den Schulalltag prägt (tägliche Andachten, Gebetsnischen und Themenwände, Vermittlung christlicher Werte, Kontakte zu Kirchengemeinden) und wie ausgeprägt die Identifikation mit der eigenen Schule ist.
 
Die Schulen kirchlicher Trägerschaft werden von den meisten Eltern sehr stark nachgefragt, auch von Familien mit nichtchristlichem Hintergrund, die aber Wert auf religiöse Bildung, Vermittlung von Werten und das soziale Leben in der Schule legen. Die Vermittlung von Wissen über andere Religionen geschieht in diesen Schulen intensiver als bei uns, da in den Schulen und Stadtteilen Menschen unterschiedlicher Religion und Weltanschauung zusammenleben.
 
Die Teilnehmenden des Besuches in London nahmen viele Eindrücke auf, die Impulse für die eigene unterrichtliche Arbeit gegeben werden. Ermöglicht wurde diese Austauschreise durch die Unterstützung der Evangelisch-reformierten Kirche (Sitz: Leer) und der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, sowie durch die Meißen-Kommission, die mit ihrer Arbeit Austausch und Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Deutschland und der Church of England fördern will. Besonders dankbar sind wir auch unseren Gastgebern, die uns für diese Zeit großzügig und freundlich in ihren Familien aufnahmen.
 

Religionspädagogischer Tag 2016 zum Thema "Vielfalt leben"

Relpäd.Tag
Prof. Dr. Bernd Schröder

130 Menschen versammelten sich am 16.06.16 in Oldenburg zu einem von der Arbeitsstelle Religionspädagogik Oldenburg, der Bremischen religionspädagogischen Arbeitsstelle und der ARO vorbereiteten Fortbildungstag. In Schule und Gemeinde inklusiv zu unterrichten gehört zu den großen Herausforderungen im derzeitigen religionspädagogischen Berufsalltag. Dementsprechend war und ist es strittig, ob mit der größeren Vielfalt an Menschen in den Lerngruppen ein Gewinn oder Verlust verbunden ist. Kann ich mit meinen (religions-)pädagogischen Fähigkeiten dem Bildungsauftrag für alle Schülerinnen und Schüler gerecht werden? Ist das erweiterte Lernsetting sinnvoll?
Der Tag hatte das Ziel, die Teilnehmenden zu ermutigen, Schritte auf dem Weg zu gehen und den Handlungsspielraum zu erweitern, ohne die Problemlagen verleugnen zu wollen. Hauptreferent war Prof. Dr. Bernd Schröder, Göttingen, der dafür warb, im pädagogischen Alltag eine andere Brille aufzusetzen und von den Chancen her zu denken, die die Inklusion für das Schulleben bereithält, indem Strukturen verflüssigt werden, der Blick sich auf die Förderung aller richtet. Es geht um eine andere pädagogische Haltung, die den Blick auf die Möglichkeiten und kreative Lösungen richtet.
In vielfältigen Workshops konnten die Teilnehmenden neue Impulse für ihre Praxis gewinnen.
Am Ende des Tages wurde Henning Eden, der Leiter der ARP in Oldenburg, mit einem Gottesdienst und Empfang in den Ruhestand verabschiedet. Wir danken ihm für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit und wünschen ihm alles Gute und Gottes Segen.

Ute Beyer-Henneberger
 

Bildung braucht Räume: Essensräume in Kitas und Schulen gestalten

Die Dokumentation der Veranstaltung vom Dezember 2014 erweitert durch verschiedene Fachbeiträge liegt online vor: Bildung braucht Räume